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Fraktionserklärung
der Fraktionsgemeinschaft FL-FN/ödp/FDP zum Haushalt 2006 vom
21. Februar 2006
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,
eine Wunderdiät zum Abspecken
unserer Schuldenlast haben wir bis dato nicht gefunden. Im
letzten Jahr mussten wir eher fassungslos feststellen, dass der
Messwert eher im Bereich des Notrufs 110 lag. Da ist schnelles Handeln
angesagt, schnell war es bis jetzt nicht! Nun, wer schon mal eine
Diät hinter sich gebracht hat, weiß, wie schwer und entbehrungsreich
der Weg zum Ziel sein kann. Und gemeinsam geht es in der Regel auch
leichter. Eine Nulldiät kann für uns auch nicht in Betracht
kommen. Also bleibt nur eine ausgewogene Diät. Durch die Arbeit
der Haushaltsstrukturkommission und die hervorragende Leistung von
Herrn Weißhaupt und Team zeichnen sich schon kleine Erfolgserlebnisse
ab. Wenn die Haushaltsstrukturkommission in diesem Jahr mit schnelleren
Schritten vorankommt und für Herrn Weißhaupt ein Nachfolger
gefunden wird, der ein ebenso guter Kämmerer wird, wie er
es war, dann wird es kleine Diäterfolge geben. 2004 und 2005
kam Hilfe von außen: Die Gewerbesteuereinnahmen sind 5 Millionen
höher als erwartet, so dass wir die Mindestzufuhr für
den Vermögenshaushalt erwirtschaften konnten (5.585.670 €).
Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt aber immer noch bei 1.660 €.
Der Schuldenstand Dezember 2005 lag bei 78.7 Millionen €
und wird 2009 bei 95 Millionen € liegen. Wir
haben eine Nettoneuverschuldung in Millionenhöhe. Immer noch
halten wir hier den Spitzenplatz, leider keinen so schönen
wie beim Volleyball. Wir müssen also alles daran setzen,
dass wir die Ertragskraft im Verwaltungshaushalt nachhaltig verbessern
können. Das geschieht entweder durch eine Reduzierung laufender
Ausgaben oder Erhöhung der Einnahmen. Als positiven Beitrag
dazu sehen wir den Verkauf von städtischen Grundstücken
und Liegenschaften, die uns immerhin 1.3 Millionen einbrachten.
Hier sehen wir durchaus noch weitere Potentiale, wie z.B. Verkauf
altes Arbeitsamt, Geschäftsstelle Dornierstraße, Tourist
Info und Bücherei in Fischbach. Allerdings
wird der Verkauf davon abhängig sein, wie schnell wir zu einem
Ergebnis über die Gestaltung der Fischbacher Ortsmitte kommen
werden, die wiederum über den Verkauf der Gebäude teilfinanziert
werden kann. Dazu zählt auch die Bahnunterführung
Fischbach. Sehr erfreulich für uns und sinnvoll angelegt
ist das Investitionsprogramm der Häfler Schulen. In diesem
Jahr geben wir 18 Millionen, bis 2009 insgesamt 38
Millionen für 9 Schulen aus. Dass
die Investitionen sich nicht aufs Bauen beschränken, dürfte
uns allen wohl klar sein. Weitere Ausgaben werden für die pädagogische
Betreuung der Ganztagesschulen notwendig werden. Hier müssen
klare Vorgaben für Qualität und Konzept erstellt werden.
Meine Damen und Herren, das sind unsere "Pflichtaufgaben",
die wir vor die freiwilligen Leistungen stellen müssen
!
Lassen Sie mich noch etwas hinzufügen:
Was
lange währt, wird endlich gut. Der neue Aufzug kommt ! Da werden
vor allem die starken Männer in Rat und Rathaus traurig sein,
dass sie mich nicht mehr auf Händen tragen dürfen. Aber
im Ernst: Er ist seit mindestens 15 Jahren überfällig.
Im Freiwilligenbereich 2006
geben wir z.B.
- Für Musikschule 1.15 Millionen €
- VHS 1.08 Millionen €
- Bücherei K 42 werden die Ausgaben
2006 deutlich über 1.5 Millionen € liegen
- Sportarena erhält einen Abmangel
von 780.000 €
Wohlgemerkt: Das sind uns Freiwilligenleistungen wert. Und
diese Positionen wurden aus dem städt. Haushalt ausgegliedert.
Sie hätten seine Ertragskraft überstiegen. Nur dank der
Zeppelinstiftung konnten wir uns diesen Luxus leisten!
- Weiter werden uns die Themen Molke-Jugendhaus, Spielehaus und
Familientreff beschäftigen.
- Zu den Pfründen Friedrichshafens zählt sicher unsere
Wirtschaftskraft, die es zu stärken und zu erhalten
gilt, wie z. B. Gewerbepark am Flughafen.
- Hierbei spielt die Logistik - der Verkehr eine große Rolle.
- Wir haben einen gut ausgebauten Flughafen, ein gut angenommenes
Stadtbuskonzept, aber bei Bahn und Straßen hört es
auf, ein Grund mehr, warum das Bündnis B 31 wichtig für
unsere Region, besonders aber für Friedrichshafen, ist. Die
B 31 neu muss baldmöglichst kommen !
- Die Messe schreibt schwarze Zahlen, kommt aber an ihre Kapazitätsgrenze.
Allerdings ohne fremde Hilfe werden wir den Bau der neuen
Hallen nicht schultern können. Hier sind andere Modelle und
Investoren gesucht. Damit wird sich der neu gewählte Messeausschuss
befassen müssen.
- Mit unserer Zeppelinstiftung haben wir bisher das "Herz-FN"
und das Stadtbild am Leben erhalten können, doch mittlerweile
kosten die Stiftungseinrichtungen mehr als ZF und Zeppelin ausschütten.
Wir haben die Stiftung ausgereizt. Sie kommt an ihre Grenzen.
- Für die Großprojekte, die wir in den letzten Jahren
geschaffen haben und erhalten wollen, brauchen wir Rücklagen
von mindestens 80 Millionen und vor allem eine Dividendenerhöhung,
solange es den Stiftungsbetrieben gut geht und sie Gewinn machen.
Das wird nicht immer so sein. Vielleicht kommen ja jetzt
die 7 fetten Jahre und wir könnten unseren Schuldenberg
abtragen und die Aussicht genießen, unseren Kindern mehr
als nur Schulden zu hinterlassen
- Wir dürfen auf keinen Fall riskieren, dass die Stiftungs-Mittel
für Einzelfallhilfen - Senioren oder Notlagen in Häfler
Familien - nicht gebührend Berücksichtigung finden.
Für
den Gesamthaushalt müssen wir uns wünschen, dass aus 2
fetten Jahren 7 fette Jahre werden. Das würde den
Schuldenabbau sehr erleichtern, andernfalls wäre die Diät
einige Jahre zu verschärfen.
Zum Thema Stellenplan
und Anträge
Wir danken allen Mitarbeitern der Stadt, die mit Fleiß und
Engagement, ihre Aufgaben zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger
erfüllt haben und erfüllen. Die Personalausgaben für
das Jahr 2006 sind mit 36.25 Millionen € veranschlagt. Ein
effektiver Stellenabbau in Bezug auf Beamten- und Angestelltenstellen
findet 2006 nicht statt. Der Stellenabbau betrifft hauptsächlich
Stellen im Niedriglohnsektor.
Der Stellenabbau von:
- Beamtenstellen: 1.5 (später zusätzlich + 2,0= effektiv
+ 0.5)
- Angestellte: 3.84 (später zusätzlich + 8,5= effektiv
+4,66)
- Arbeiterstellen: 4.0
- Reinigunskräfte: 8.7
ist zum großen Teil ein Pseudostellenabbau, denn die
8,7 Stellen im Reinigungssektor waren Stellen für geringfügig
Beschäftigte, und damit hauptsächlich Frauen,
die durch diese Arbeit das Leben ihrer Familien sichern. Diese Aufgaben
werden in Zukunft durch Reinigungsfirmen übernommen und es
findet hier nur eine Kostenverlagerung statt. Der
Stellenschlüssel durch Outsourcing sieht zwar "schöner"
aus, senkt aber die Kosten nur ein wenig. Wir bedauern, dass FN
den allg. Trend Arbeitsplätze für weniger Qualifizierte
abzubauen verstärkt. Sie haben es am Arbeitsmarkt am schwersten.
Zumal
die Industrie Outsourcing inzw. schon wieder kritischer sieht !
Fangen
wir doch auch damit an ! Menschlicher und sozialer ist es allemal
!
- Bei einzelnen leitenden Positionen, nicht nur im Rathaus, bestehen
große Unterschiede in der Dotierung. Hier fordern wir das
HPA auf, bei Neubesetzungen alte Verträge auf die Dotierung
zu überprüfen, bzw. Stellenbeschreibungen, Aufgaben,
usw. zu überprüfen.
- Auch würden wir im KOH die zweite Beamtenstelle wieder
streichen, wenn sich personelle Änderungen ergeben sollten.
- Beispiel Hausmeisterstelle, auch hier sind die Anforderungen
sicher unterschiedlich hoch. Wir haben z.B. im Haus Sonnenuhr
eine volle Hausmeisterstelle, gegenüber Schulen, wo es oft
nur ½ Stelle ist. Das müsste immer wieder neu geprüft
werden
Beim Stellenabbau kann sicher nicht mit dem Rasenmäherprinzip
gearbeitet werden. Aber wir sollten genau prüfen und gezielt
auf- oder abbauen! Ein Beispiel ist die Feuerwehr! Über Jahre
haben Ehrenamtliche die Aufgaben von Hauptamtlichen übernommen
und der Stadt erhebliche Kosten eingespart. Ein wirklich gelungenes
Gutachten brachte dies zu Tage. Die 4 neuen Stellen müssen
sein, zumal dieser Stellenschlüssel immer noch der Minimalzustand
ist. Hier muss Ehrenamt professionell unterstützt werden. Dagegen
werden wir der neuen geplanten Stelle für Energie-Management
nicht zustimmen. Hier leisten die TWF und das AUN schon hervorragende
Dienste. Deren Kenntnisse kann sich auch die Stadt zu Nutze machen.
In diesem Fall sollte das Geld besser in Energie-Sparmaßnahmen
investiert werden und nicht in eine Personalstelle. Die Fraktionsgemeinschaft
hat die "Zusammenlegung Stadtkasse und Kämmerei"
beantragt, wie anderenorts üblich und wie auch der Stadt FN
durch ein Gutachten empfohlen wird. Wir versprechen uns durch die
Zusammenlegung eine Optimierung der Abläufe und dadurch Kosteneinsparungen.
Besonders bei der Rechnungsabwicklung und beim Erstellen der Rechnungsergebnisse
ist die enge Verzahnung zw. Stadtkasse und Kämmerei wichtig
für einen verzögerungsfreien Ablauf. Da der OB allein
darüber entscheiden kann, möchten wir um die Umsetzung
noch in diesem Jahr bitten, damit sich die Gutachtenkosten auch
schnell auszahlen.
Antrag Teilorte
Wir finden es gut und richtig, dass die Teilorte selbstständig
sind und das auch sehr erfolgreich. Wir sind aber der Meinung, dass
mehr als 30 Jahre nach der Eingliederung eine Überprüfung
und Aufgabenkritik sinnvoll ist. Die Teilorte sind unterschiedlich
groß, haben sich weiter entwickelt und sind mit der Stadt
zusammengewachsen, so dass eine Überprüfung der unterschiedlichen
Stellenbesetzung der Ortsverwaltungen sinnvoll ist.
Beispiel:
- Ettenkirch: 4,7
- Ailingen: 10,1
- Kluftern: 4,9
Antrag
Sachausgaben
Wort- und zahlenreich lehnt die Verwaltung unseren Antrag ab, Sachausgaben
2006 um 250.000 € zu reduzieren. Dabei handelt es sich um eine
Kleinigkeit. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu
- Dem Gesamtvolumen des Verwaltungshaushalts (VHH) (gleich 117
Millionen €)
- Zum Antrag der Grünen: Das Zeppelinmuseum soll ca. 400.000
€ in 2006 einsparen. Dieser Antrag wird von der Verwaltung
befürwortet und abgeschwächt durch das 3-Jahresbudget
angenommen.
Wenn das Museum dies kann, warum geht - dann im Rathaus nicht
?
Die Gegenargumente sind zum Teil schwach:
- Es wird argumentiert, die jährliche Inflationsrate betrage
3 % (1998 - 2006) 9 Jahre x 3 % = 27 % Kostenanstieg. Die Inflationsrate
in Deutschland liegt aber seit Jahren bei 1-2 % ! Ist der "Warenkorb"
hier deutlich unterschiedlich ?
- Kämmerei: Der Sachkostenanstieg 2005/06 wird in der
Verwaltungsvorlage mit 954.000 € angegeben. Dies mag zwar
richtig sein, aber die Stadt muss hier, wie auch die Privathaushalte,
dann nach Einsparungen in anderen Bereichen suchen. Genau dies
bezweckt unser Antrag. Mit seiner Annahme könnte die Verwaltung
ein kleines Zeichen ihres Sparwillens zeigen. Drei Viertel der
geforderten Summe wären schon erbracht beim Verzicht auf
3 neue Gutachten, die 195.000 € kosten sollen.
Wir ziehen unseren Antrag nicht zurück!
Selbstverständlich werden wir, wie unsere Kolleginnen und Kollegen
auch, engagiert weiter daran arbeiten, unseren Haushalt ins Lot
zu bringen. Es gibt sicher noch einiges zu ergänzen, wie zum
Beispiel die Weiterentwicklung einer bürgernahen Stadtverwaltung,
Stärkung des Ehrenamtes, usw. Wir möchten heute besonders
Herrn Weißhaupt danken, der heute seinen letzten Haushalt
vorgelegt hat, der als guter Kämmerer wenn nötig ermahnt
hat und uns seine Haushaltszahlen stets geduldig erklärt
hat. Danke, Herr Weißhaupt, für Ihre hervorragende
Arbeit. Wir möchten Ihnen ein kleines Präsent überreichen.
Dem Haushalt 2006 stimmt unsere Fraktionsgemeinschaft
mehrheitlich zu !
Es gilt das gesprochene Wort.
Gerlinde
Ames
(Fraktionsvorsitzende)
(siehe auch zugehörender Pressebericht)
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