+++ Pressebericht vom 8. Dezember 1997 +++
ödp fordert grundlegend neue Familienpolitik
Tiefgreifende Reformen
in der Familienpolitik hat die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp)
auf einer Informationsveranstaltung in Tettnang gefordert. Unter dem Motto
"Zukunft ohne Kinder? Familien im sozialpolitischen Abseits" stellten
die ödp-Kreisvorsitzende Ruth Bärenweiler und der Bundestags-Direktkandidat
Karl King das Konzept vor, mit dem die ödp den sozialen Abstieg verhindern
will, der heute vielfach mit der Entscheidung für Kinder verbunden ist.
Nach Auskunft von Ruth Bärenweiler wurde der Unterschied im Lebensstandard
zwischen Eltern und Kinderlosen in den letzten Jahren immer größer.
Dies läßt sich mit Zahlen belegen: So hat sich in der Region Bodensee-Oberschwaben,
also in den Landkreisen Bodenseekreis, Ravensburg und Sigmaringen, die Zahl
der sozialhilfeabhängigen Kinder von 2.500 im Jahr 1980 bis zum Jahr
1993 auf fast 8.000 mehr als verdreifacht, trotz insgesamt rückläufigen.
Bevölkerungsanteils. 85 Prozent aller Fälle von Armut sind heute
auf Kinder zurückzuführen. Schuld daran ist eine verfehlte Familienpolitik,
welche die Kosten der Kindererziehung fast ausschließlich den Eltern
aufbürdet, den finanziellen Nutzen aber hauptsächlich der gesamten
Gesellschaft zugutekommen läßt. Während fast alle anderen
sozialpolitischen Leistungen jährlich an steigende Einkommen und Lebenshaltungskosten
angepaßt werden, wurde beispielsweise das Bundeserziehungsgeld seit
seiner Einführung vor 10 Jahren nicht heraufgesetzt, was einer stetigen
Absenkung gleichkommt.
Das Konzept der ödp
beruht auf vier Säulen: Steuergerechtigkeit, einen fairen Familienlastenausgleich,
die finanzielle Anerkennung der Erziehungsleistung und eine leistungsgerechte
Rente. Ein echter Lastenausgleich muß die Kinderkosten gerecht zwischen
Eltern und Gesellschaft aufteilen. Die ödp fordert die Übernahme
der Hälfte der durchschnittlichen Erziehungskosten von ca. 860 DM im
Monat durch den Staat. Dabei entstehen aber volkswirtschaftlich keine zusätzlichen
Kosten, wie Ruth Bärenweiler verdeutlichte, da diese Kosten ja auch heute
bereits, zum Großteil von den Eltern, aufgebracht werden.
Als
unverzichtbarer Beitrag für die ganze Gesellschaft muß darüber
hinaus die Leistung der Eltern bei der Kindererziehung angemessen gewürdigt
und finanziell entlohnt werden. Auch ein solches Erziehungsgehalt, wovon momentan
in der ödp verschiedene Varianten untersucht werden, ist finanzierbar,
wie eine Studie des IFO-Instituts beweist.
Dieser verallgemeinerter
Leistungsbegriff ist ein wesentliches Element im ödp-Rentenkonzept: Die
heute ausschließlich lohnbezogene Rente muß zu einer leistungsbezogenen
Rente weiterentwickelt werden, in der die gesamte Lebensleistung, also auch
die Kindererziehung, berücksichtigt wird. Damit soll verhindert werden,
daß Eltern im Alter im Vergleich zu Kinderlosen deutlich geringere Renten
erhalten, obwohl sie ja die späteren Beitragszahler, die auch die Renten
für Kinderlose finanzieren, teils unter erheblichen finanziellen Belastungen.
aufgezogen haben. Bevor die gesellschaftlich so wertvolle Leistung der Eltern
nicht ausreichend anerkannt wird, stellt sich die ödp damit entschieden
gegen die Forderungen. anderer Parteien wie der Grünen nach einem leistungslosen
Grundeinkommen für alle.