+++ Pressebericht vom 15. April 1999 +++
Annedore Schmid (ödp) fordert Umsetzung des "Europas der Regionen"
Die Vorstellungen der Ökologisch-Demokratischen
Partei (ödp) über eine grundlegende Reform der EU-Strukturen
stellte die Europakandidatin der Partei, die Klufterner Ortschaftsrätin
Annedore Schmid, auf einer Veranstaltung in Friedrichshafen vor: Reformbedarf
sieht die ödp besonders in der Stärkung der Rolle der Kommunen
auf europäischer Ebene und in einer gemeinsamen EU-Finanzpolitik.
Der Begriff Europa der Regionen" ist in aller Munde", so Annedore Schmid,
doch wie es scheint, nicht in den Köpfen der Entscheidungsträger
auf EU-Ebene." Die Nationalstaaten, so Schmid weiter, sträubten sich
nach wie vor gegen Reformen, welche die EU zu einer wirklich funktionsfähigen
europäischen Ebene machen könnten, ebenso wie gegen eine stärkere
Beteiligung der Kommunen an der europäischen Politik. Es sei zwar
erfreulich, daß die deutschen Kommunen über den Ausschuß
der Regionen", der seit 1993 beratend an der EU-Politik mitwirkt, offiziell
an der europäischen Politik beteiligt sind. Es dürfe jedoch
nicht kritiklos hingenommen werden, daß die Kommunen nur drei der
24 deutschen Sitze in diesem Ausschuß erhalten haben, da die anderen
21 Sitze von Vertretern der Bundesländer eingenommen werden. Die
Kommunen tätigen den größten Teil der öffentlichen
Investitionen in Deutschland und leisten damit einen unschätzbaren
Beitrag zum Arbeitsmarkt", erklärte Annedore Schmid. Es ist auch
nicht mit dem gerade von den Bundesländern oft gebrauchten Slogan
des Europas der Regionen" vereinbar, wenn die eigenen Kommunen als Regionen
zweiter Klasse behandelt werden." Sie forderte daher, künftig die
Hälfte der deutschen Sitze im Ausschuß der Regionen mit kommunalen
Vertretern zu besetzen. Darüber hinaus regte sie an, die Kommunen
künftig stärker in die Entwicklung von EU-Förderprogrammen
einzubinden, die bisher hauptsächlich von der EU-Kommission, dem
Bund un den Ländern ausgehandelt werden.
Genauso wichtig wie die Stärkung der Kommunen ist für die ödp
eine Neuordnung der europäischen Finanzpolitik. Die bisherige Finanzierung
der EU-Aufgaben durch Länderbeiträge sollte nach ödp-Auffassung
von einer EU-eigenen Einnahmequelle in Form einer europaweiten Steuer
abgelöst werden. Dies könnte auch die ständigen Debatten
über eine gerechte Lasten-Verteilung der einzelnen Länder beenden,
die in Deutschland gewöhnlich mit dem Schlagwort Nettozahler Deutschland"
nicht immer sachlich geführt werden. Die ödp denkt dabei aber
nicht, wie Annedore Schmid betonte, an die Einführung neuer Steuern,
sondern vielmehr auf die vollständige oder teilweise Übertragung
einiger nationaler Steuern auf die Europäische Union, gerade soviel,
daß sich die EU damit finanzieren kann. Welche Steuern dies sein
könnten ist nach Aussage Annedore Schmids noch offen. Als eine denkbare
Möglichkeit nannte sie eine europaweite Ökosteuer. Durch eine
Ausdehnung dieser Steuer auch auf Flugbenzin liese sich auch endlich die
heutige Ungleichbehandlung der verschiedenen Verkehrsträger beenden,
die heute noch darin besteht, daß beispielsweise die Bahn für
ihren Treibstoff Mineralölsteuer zahlen muß, nicht aber die
Fluggesellschaften.