+++ Pressebericht vom 22. September 1999 +++
Häfler ödp-Kandidaten stellten sich vor
Was treibt Leute aus allen Bevölkerungsschichten dazu, sich in einer kleinen Partei wie der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) zu engagieren oder als Unabhängiger auf der Liste ödp und Unabhängige für die Kommunalwahl zu kandidieren? Noch dazu, wo alle anfallenden Kosten - im Gegensatz zu anderen Parteien - aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, bei besonders Aktiven können das mehrere tausend DM im Jahr sein.
Antwort darauf konnte sich die Häfler Bevölkerung bei der Vorstellung
der Kandidaten zur Kommunalwahl 99 am Mittwoch abend im Hotel Schloßgarten
machen. Über die Hälfte der rund 30 Kandidaten aus Friedrichshafen
und Ortsteilen war in den Schloßgarten gekommen, um sich vorzustellen,
ihre Beweggründe für die Kandidatur und für ihr teilweise
schon über viele Jahre reichendes Engagement für die ödp
darzulegen, über persönliche Erfahrungen aus Politik und sonstigem
Engagement etwa in Umweltschutzverbänden, Kirche, Gewerkschaften
und anderen zu berichten und Fragen der Bevölkerung zu beantworten.
Ödp und Unabhängige sind
im Bodenseekreis und besonders auch in Friedrichshafen ja kein unbeschriebenes
Blatt mehr: Seit den letzten Kommunalwahlen 1994 sind sie hier in verschiedenen
lokalen Parlamenten vertreten: in der Regionalversammlung mit einer dreiköpfigen
reinen Frauenfraktion, im Kreistag mit zwei Mandatsträgern, im Gemeinderat
Friedrichshafen und im Ortschaftsrat Kluftern jeweils mit einer Vertreterin.
An diese Erfolge wollen ödp und Unabhängige bei den diesjährigen
Wahlen anknüpfen und möglichst noch das eine oder andere Mandat
dazugewinnen. Das Ziel lautet: Erreichen der Fraktionsstärke im Kreistag
und im Gemeinderat Friedrichshafen. Damit wollen ödp und Unabhängige
die Voraussetzung schaffen für mehr politischen Einfluß - schließlich
ist eine Reihe von Mitspracherechten im Gemeinderat und Kreistag an den
Fraktionsstatus gebunden - und zu einer besseren Verteilung der anfallenden
Arbeit auf mehr Schultern und damit der Entlastung der einzelnen Mandatsträger
beitragen.
Auf derartige Unterstützung
hofft besonders Christine Stuckenbrock, die bisherige Einzelkämpferin
im Häfler Gemeinderat, die erst im März für den aus gesundheitlichen
Gründen ausgeschiedenen Walter Wolpold nachgerückt ist. Nachdem
sie sich nach einem halben Jahr in ihre Aufgabe als Gemeinderätin
eingearbeitet hat, will sie sich in Zukunft - sofern die Wähler ihr
am 24. Oktober erneut das Vertrauen schenken - verstärkt für
die Themen Jugend und Schule einsetzen. Unterstützen will sie die
im Februar gewählte neue Ortsvorsitzende Sylvia Hiß aus Friedrichshafen-Fischbach.
Die alleinerziehende Mutter einer fünfjährigen Tochter kennt
die Probleme der Alleinerziehenden aus eigener Erfahrung. Der Einsatz
für dieses Bevölkerungsgruppe ist ein Schwerpunkt ihres politischen
Engagements. Wichtig ist es ihr auch, die Bürger verstärkt an
politischen Entscheidungen teilhaben zu lassen. Seit fünf Jahren
ist Annedore Schmid, stellvertretende Ortsvorsitzende von Friedrichshafen,
im Ortschaftsrat Kluftern, eine Aufgabe, die ihr nach eigener Aussage
immer noch mächtig Spaß macht. Ihre wichtigsten Anliegen: Erhalt
des Fischbacher Freibads, Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und
ein Ende der Schuldenpolitik. Die meiste politische Erfahrung bringt die
Kreisvorsitzende Ruth Bärenweiler, ebenfalls aus Friedrichshafen-Kluftern,
ein. Sie vertritt ödp und Unabhängige in der Regionalversammlung
Bodensee-Oberschwaben und im Kreistag. Ihr Leitsatz ist ein Ausspruch
von Dietrich Bonhoeffer: Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter
Wünsche". Sie setzt sich vehement für die Unabhängigkeit
der Politik ein. Das heißt für sie konkret: weniger Bürgermeister
im Kreistag und Trennung des Amts eines Häfler Oberbürgermeisters
mit dem Aufsichtsratsvorsitz der Häfler Stiftungsbetriebe.
Unterstützt wird sie in dieser Forderung von Gabriele Jungmayr, Rechtsanwältin
aus Friedrichshafen, die als Unabhängige auf der Liste kandidiert.
Gabriele Jungmayr fiel durch ihren Einsatz in der Bürgerinitiative
Karlstraße-Uferpark gegen die mittlerweile fast fertiggestellte
Tiefgarage auf. Aus dieser Zeit stammen auch ihre Kontakte zur ödp,
aus deren Reihen sie damals viele engagierte Mitstreiter gefunden hat.
Da sich die Ziele der ödp voll mit ihren politischen Vorstellungen
decken, hat sie sich entschlossen, die von der ödp erhaltene Unterstützung
mit einer Kandidatur für die Liste ödp und Unabhängige
zu beantworten. Stolz, von sich sagen zu können: "Ich bin ödp-Sympathisant
- ich unterstütze die ödp" ist Peter Doni, der schon 1985 als
Unabhängiger für die ödp kandidierte und seine Unterstützung
auch für die Zukunft zugesagt hat, auch wenn er weiterhin nicht in
die Partei eintreten will.
Auffallend ist der große Einfluß von Frauen. Die meisten Mandate
und Führungspositionen der Partei sind mit Frauen besetzt: der Kreisvorsitz,
der Ortsvorsitz, ein von zwei Kreistagsmandaten sowie das jeweils einzige
Mandat im Gemeinderat Friedrichshafen und im Ortschaftsrat Kluftern, und
im Regionalverband gibt es eine reine Frauenfraktion.