+++ Pressebericht vom 21. Juli 2002 +++
Mobilfunk: Hohe Strahlung muss nicht sein
Prof. Buchner (ödp) fordert Senkung der Grenzwerte
Der Raum war fast zu klein für die große Zahl interessierter
Bürger, die am Freitag auf Einladung der Ökologisch-Demokratischen
Partei (ödp) in den Häfler Schloßgarten gekommen waren,
um sich aus Expertenmund über die Gefahren des Mobilfunks zu informieren.
Ca 40 Besucher, nicht nur aus dem Bodenseekreis, folgten dem Vortrag "Krank
durch Mobilfunk?" des renommierten Physikers, Mathematikers und stellvertretenden
ödp-Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Klaus Buchner von der TU München.
"Wissenschaftler haben die Erkenntnis schon seit rund zehn Jahren,
und trotzdem ist noch nicht bis zu unserer Regierung gelangt: Mobilfunkstrahlen
sind gefährlich", erläuterte Prof. Buchner anhand zahlreicher
Beispiele und Studien. Regierungen hätten im allgemeinen kein Interesse
daran, den Mobilfunkbetreibern irgendwelche Auflagen zu machen: "Die
meisten Landesregierungen sind an Mobilfunkunternehmen beteiligt. Die
würden sich doch mit den Auflagen ins eigene Fleisch schneiden."
So etwa halte die bayerische Staatsregierung bis heute die Ergebnisse
der sogenannten "Rinderstudie" zurück, die einen Zusammenhang
zwischen Mobilfunk und Gesundheitsschädigungen erbracht habe. Und
Bundeskanzler Schröder und Umweltminister Trittin haben erst im Dezember
2001 die hohen deutschen Mobilfunk-Grenzwerte bestätigt.
Dennoch bestehen inzwischen in Fachkreisen keine Zweifel mehr an den Krankheiten,
die von den Funkstrahlen ausgelöst werden können: Schlafstörungen,
Bewusstseinsstörungen, Konzentrationsprobleme seien nur der Anfang,
Die hohen Strahlendosen, die in Deutschland erlaubt sind, verursachten
auch Krebs und veränderten das Blutbild und Erbgut. "Hierzulande
können die Mobilfunkbetreiber gut erklären, dass sie mit ihren
Funkmasten weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Richtwerten liegen.
Die Grenzwerte in Italien, Österreich und der Schweiz sind um ein
Vielfaches niedriger. In Salzburg ist nur ein 1/10.000 der deutschen Werte
erlaubt, ohne dass dort Einschränkungen bzgl der Möglichkeit
des mobilen Telefonierens zu erkennen oder die anfallenden Gebühren
unbezahlbar seien. Selbst Nationen wie China und Russland haben strengere
Richtlinien als Deutschland."
Daher ist nach Buchners Meinung eine Klage gegen Funkmasten in der direkten
Nachbarschaft nur in einigen wenigen Fällen Erfolg versprechend.
Auch nachgewiesene Gesundheitsschäden ließen sich vor Gericht
schwer geltend machen. Buchner legte daher auf einer Folie dar, mit welchen
Abschirmmaterialien sich die Bürger in der eigenen Wohnung vor den
gefährlichen Strahlen schützen können.
Prof. Buchner plädierte eindringlich, die hohen deutschen Grenzwerte
zu senken und Mobilfunkmasten aus Wohngegenden herauszunehmen; er warnte
auch vor den tragbaren DECT-Telefonen. Er kritisierte, dass man sich in
Deutschland - im Gegensatz zu den USA - für ein im Vergleich zu ungepulsten
Systemen deutlich gefährlicheres gepulstes Mobilfunk-Verfahren entschieden
habe; dass im Jahr 2008 unschädliche Analog-Telefone verboten werden
sollen, hält er für eine untragbare Entscheidung.
Der Mobilfunk-Experte verwies darauf, wie wichtig eine Unabhängigkeit
von Wirtschaft und Politik sei: "Die ödp ist die einzige Partei,
die keine Firmenspenden annimmt - deshalb können wir unabhängig
von Unternehmervorteilen Politik machen. Das ist auch der Grund, warum
wir die einzige Partei sind, die sich massiv für den Schutz der Bevölkerung
und nicht der Funkmastbetreiber einsetzt."