+++ Leserbrief vom 18. Januar 2004 +++
zum Bebauungsplanentwurf für das umstrittene Thermalbadprojekt in FN-Fischbach
Jetzt endlich ist
die Katze aus dem Sack, nun wissen es wirklich alle:
der öffentlich zugängliche Uferweg in Fischbach ist gefährdet,
das (letzte Häfler) Freiluftsportbecken wird geschlossen, die komplette
Überbauung des Geländes wird zugelassen und die Fahrradstellplätze
werden massiv reduziert. Ursprünglich wurde uns etwas anderes versprochen!
Ein dickes Lob für "Pro Bürgerbad", das dies alles
aufgedeckt und die Bevölkerung darüber informiert hat und deutliche
Kritik an der Stadtverwaltung, die diese so wichtigen Informationen der
Bevölkerung bisher vorenthalten und stattdessen immer wieder nur
die angeblichen Vorteile dieses Projekts herausgestellt hat. Damit wird
wieder einmal die Bedeutung solcher Bürgerinitiativen in unserer
Gesellschaft deutlich, besonders hier in Friedrichshafen, wo, wie dieses
Beispiel wieder einmal zeigt, seitens der Stadt scheinbar kein besonders
hohes Interesse an einer Aufklärung der Bevölkerung besteht.
Wir fragen uns: Was steckt dahinter, Absicht oder Nachlässigkeit?
Nimmt die Stadt etwa die Schließung des Uferweges zugunsten eines
fremden Investors und zu Lasten der eigenen Bevölkerung in Kauf (bzw
eine unattraktive Routenführung, die diesen Namen nicht mehr verdient)?
Wenn nein, warum legt sie dies nicht verbindlich im Bebauungsplan fest?
Zieht die Stadt tatsächlich eine eventuelle spätere komplette
Überbauung der gesamten Fläche in Erwägung gemäß
der in anderen Bereichen schon erfolgreich eingesetzten Salamitaktik?
Falls nicht, warum schließt sie das dann nicht verbindlich im Bebauungsplan
aus?
Gibt die Stadt damit indirekt zu, dass sich das Projekt überwiegend
an Fremde richtet, die sowieso nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem
Auto kommen, und nicht an die Einheimischen, wenn sie die Zahl der Fahrradstellplätze
so drastisch um fast 90 Prozent reduziert?
Es zeigt zudem von erschreckend wenig Demokratieverständnis und Fingerspitzengefühl,
wenn eine solche umstrittene, weit in die Zukunft reichende und die gesamte
Bevölkerung betreffende Entscheidung wie die Festlegung dieses Bebauungsplanes,
noch im März, also drei Monate vor der Kommunalwahl, durchgepeitscht
werden soll. Steckt da vielleicht doch ein bißchen Angst dahinter,
die Bürger könnten die Kommunalwahl (wie schon die OB-Wahl 2001)
zur Abstimmung über dieses Projekt nutzen - dann (im Gegensatz zum
Bürgerentscheid) ohne demokratisch fragwürdiges Quorum als reine
Mehrheitsentscheidung?
Sylvia Hiß
(ödp-Ortsvorsitzende FN)
Christine Stuckenbrock
(Stadträtin FN)