+++ Pressebericht vom 20. Juli 2006 +++
Wie können rechte Demonstrationen künftig verhindert werden?
ödp schlägt vor: Regelungen aus dem Wahlrecht aufs Demonstrationsrecht übertragen
Wie
können Demonstrationen wie die am letzten Samstag in Friedrichshafen
künftig verhindert werden? Auch wenn die Gefahr für Friedrichshafen
vorläufig gebannt scheint, nachdem die Rechten mittlerweile angekündigt
haben, nicht mehr in Friedrichshafen zu demonstrieren, hält die Ökologisch-Demokatische
Partei (ödp) eine breite Diskussion darüber für dringend
erforderlich. Sie unterstützt die Forderungen nach einer Gesetzesänderung,
die der Oberbürgermeister Büchelmeier in seiner Rede am Samstag
aufgestellt hat, um künftig den Kommunen Möglichkeiten an die
Hand zu geben, solchen Demonstrationen die Genehmigung zu verweigern -
Möglichkeiten, die auch vor Gericht Bestand haben.
Allerdings hält die ödp wenig von Verboten. Weder das Verbot
einzelner Parteien oder Organisationen noch der Ausschluss bestimmter
Themen aus dem Demonstrationsrecht kann nach Auffassung der ödp das
Problem lösen ohne gleichzeitig das Grundrecht auf Meinungs- und
Versammlungsfreiheit in nicht akzeptabler Weise einzuschränken. Auch
der zur Diskussion gestellte Vorschlag, die Veranstalter derartiger Demonstrationen
an den Kosten für den erforderlichen Polizeieinsatz zu beteiligen,
ist ein zweischneidiges Schwert und wird von der ödp entschieden
abgelehnt.
Die ödp stellt stattdessen einen anderen Vorschlag zur Diskussion:
Warum sollen die Veranstalter einer Demonstration nicht dazu verpflichtet
werden, schon im Vorfeld dazu einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung
nachzuweisen, so wie wir als kleine Partei dies vor jeder Wahl in Form
von Unterstützungsunterschriften tun müssen? fragt die
ödp-Kreisvorsitzende und Mitglied im Bündnis für Demokratie
und Toleranz, Sylvia Hiß. Das würde zwar das Demonstrationsrecht
etwas einschränken, aber wenn derartige Einschränkungen beim
wohl wichtigsten Recht einer Demokratie, dem Wahlrecht, akzeptiert werden,
warum dann nicht auch beim Demonstrationsrecht? Wenn etwa in einer
Stadt wie Friedrichshafen zur Genehmigung einer Demonstration innerhalb
einer Frist von vielleicht 4 Wochen 100 vom Rathaus bestätigte Unterschriften
(mit Name und Geburtsdatum) von Bürgern dieser Stadt vorgelegt werden
müssten, die mit dieser Unterschrift die Demonstration befürworten,
hätten Demonstrationen wie die am Samstag nach Überzeugung der
ödp wenig Chancen: Zum einen, weil sie hauptsächlich von Fremden
getragen werden, und in Friedrichshafen nur wenig Zuspruch erhalten. Zum
anderen, weil die Sympathisanten aus Friedrichshafen wohl bei weitem nicht
alle dazu bereit sind, ihre Sympathie für die rechte Szene auf amtlichen
Formblättern zu erklären. Andere Demonstrationen wie z.B. die
vom Bündnis B 31 würden dadurch wohl kaum verhindert,
sie können sich auf einen großen Rückhalt in der Bevölkerung
stützen.