+++ Leserbrief vom 8. Dezember 2000 +++
zum Thema "Ablehnung einer Frauenbeauftragen für Friedrichshafen durch den Gemeinderat"
Mit der Einrichtung
einer Stelle für eine Frauenbeauftragte hätte zwar einiges gegen
die Benachteiligung von Frauen getan werden können, trotzdem ist
diese Syptombekämpfung für uns in der ödp ein unzureichender
Ansatz. Die Ursache der Benachteiligungen von Frauen liegt in der fehlenden
Gleichstellung von Erwerbs- und Familienarbeit. Auch Frauen, die nicht
in einem klassischen Familienverbund leben, sind von diesem unbewußt
prägenden gesellschaftlichen Denk- und Wertungssystem betroffen.
Warum ist z. B. die Reparatur eines Autos oder die Bearbeitung einer Steuererklärung
anerkannte Arbeit, die Erziehungsarbeit zu Hause in der Bewertung allenfalls
eine zusätzliche Feierabendbeschäftigung für die frau im
günstigsten Fall beurlaubt wird? Zu Ende gedacht ist daher eine nur
einseitige Subventionierung von ausschließlicher Fremdbetreuung
eine weitere Diskriminierung derer, die ihre Kinder selbst erziehen und
ein Eingriff in die familiäre Selbstbestimmung. Außerhäusliche
Kinderbetreuung ja, aber gleichwertig zur elterlichen Erziehungsleistung!
Die im 5. Familienbericht der Bundesregierung nachgewiesenen strukturellen
Rücksichtslosigkeiten gegen Familien sind mit einer kommunalen Familienpolitik
allein natürlich nicht ganz zu beheben, aber wenigstens in die richtige
Richtung zu lenken. Daher brauchen wir eine Familienbeauftragte in Friedrichshafen,
die sich voll auf die Situation und gegen die Benachteiligung von Familien
konzentrieren kann, was zwangsläufig der Gleichstellung von Frauen
dienen und als nachhaltige Zukunftssicherung der ganzen Bevölkerung
zu Gute kommen wird. Welchen Stellenwert die Situation der Familien in
Friedrichshafen hat, zeigt die Tatsache, daß der Familienbeirat,
nach der Kommunalwahl vor über einem Jahr eingerichtet, bisher noch
nie getagt hat. Wir dürfen gespannt sein, zu welchem Zeitpunkt, in
welcher Zusammensetzung und mit welchem Ziel dieser Beirat seine Arbeit
hoffentlich noch vor den nächsten Kommunalwahlen aufnehmen wird.
Ruth Bärenweiler
ödp-Kreisrätin
Friedrichshafen