+++ Pressebericht vom 3. Dez. 2001 +++
Ein schwarzer Tag für die Demokratie
Nur die demokratisch äußerst fragwürdige Gesetzeslage in Baden-Württemberg sichert umstrittenes Katamaranprojekt FN-KN
Das Ergebnis ist
überraschend deutlich: Mit 73 Prozent lehnten die Konstanzer Bürger
die geplante Katamaran-Verbindung Konstanz-Friedrichshafen ab - auf einen
Befürworter des umstrittenen Millionenprojektes kommen folglich 2,7
Gegner. Trotzdem wird dieses Projekt vermutlich verwirklicht - ein Sieg
der Demokratie? Die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) sieht
darin im Gegenteil einen schwarzen Tag für alle wirklichen Demokraten
- unabhängig ob Befürworter oder Gegner des Katamarans. Einzig
allein durch die demokratisch äußerst fragwürdige Gesetzeslage
in Baden-Württemberg wurde ein Erfolg der Gegner verhindert, und
damit die öffentliche Meinung und der eindrucksvoll zum Ausdruck
gebrachte Bürgerwille übergangen - eine Gesetzeslage, die Volks-
und Bürgerentscheide zwar formal (auf dem Papier) vorsieht, sie aber
durch zahlreiche, nahezu unüberwindbare Hürden (die höchsten
in der ganzen Bundesrepublik) praktisch nahezu aussichtslos macht. Aus
einem echten "Bürgerentscheid" (vom Begriff "entscheiden")
wird somit in der Regel eine einfache, durch Gemeinderatsbeschluss mit
einfacher Mehrheit überstimmbare Willensbekundung. Dabei sieht das
Grundgesetz ausdrücklich eine Demokratie auf zwei Säulen vor:
Im Artikel 20 Absatz 2 steht: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.
Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen
... ausgeübt." Eine allein auf Wahlen reduzierte Demokratie ist folglich
nur eine halbe Demokratie. "Wann werden die Bürger Baden-Württembergs
endlich auch die im Grundgesetz verbrieften Rechte erhalten?" fragt sich
die ödp. Auf die verantwortlichen Parteien und Politiker setzt die
ödp dabei wenig Hoffnung. "Hier hat der Verein Mehr Demokratie
eV noch eine Menge Arbeit vor sich", so die Häfler ödp-Ortsvorsitzende
Sylvia Hiss, "die ödp wird diese Initiative weiterhin mit allen
ihr zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen".
Nicht nur für die Demokratie war der vergangene Sonntag ein schwarzer
Tag, sondern auch für die Häfler und Konstanzer Bürger:
Die beiden Städte bürden sich und damit ihren Bürgern mit
dem Katamaran auf unabsehbare Zeit eine finanzielle Last auf, die in die
Millionen geht - das zeigen alle realistischen Kostenabschätzungen.
Allein durch die zwischenzeitliche Steigerung des Stückpreises eines
Katamarans von 4,5 auf 4,7 Millionen DM entfallen auf jede der beiden
Städte (nach Abzug der Landeszuschüsse) 100.000 DM Zusatzkosten.
Um diese Beträge auszugleichen, werden wohl in Friedrichshafen künftig
noch viele Gebühren angehoben werden müssen, und zwar deutlich
stärker als die vor kurzem vorgesehene und jetzt vom Gemeinderat
abgelehnte Anhebung der Kindergartengebühren.