+++ Leserbrief vom 18. Januar 2000 +++
zum Thema "Ehrenwort des Altkanzlers Kohl - Parteispendenaffäre"
"Mama, was ist mehr wert: ein Ehrenwort geben oder schwören?", fragt mein Kind. Vor uns liegt ein Foto des Ex-Kanzlers mit der erhobenen Schwörhand. Er "gelobt", die Gesetze zu achten, erkläre ich. Er schwört, nur das Beste für sein Volk zu tun beim Regieren. Ich weiß nicht, wie viele Partei- und Steuergesetze nun gebrochen wurden, wie oft das "Beste" eigentlich doch "Bestechung" heißen müsste, wie oft nicht "Schaden vom Volk gewendet", sondern eher "Bereicherung für die eigene Partei eingefädelt" wurde ...
Kinder hören sehr genau hin.
Besonders, wenn täglich neue Schauergeschichten kommen. "Darf
ein Kanzler das, Mama?" Ich fürchte, den Schaden können
auch noch so begnadete Mütter nicht mehr kleiner reden. Soll ich
raten, kein Ehrenwort mehr zu geben?
Gerdi Spengler
Mitglied im ödp-Kreisvorstand
Eriskirch