+++ Pressebericht vom 17. Mai 2004 +++
Chancen und Risiken der Gentechnik
Was ist dran an den Versprechungen der Industrie?
Kann die Gentechnik
die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen? Brauchen wir die Gentechnik,
um in Deutschland unsere Arbeitsplätze und unseren Lebensstandard
zu erhalten? Antworten darauf gab Nanette Kolb auf einer Informationsveranstaltung
der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) in Salem, wo sie
auf alle Aspekte dieses umfangreichen und komplexen Themenfeldes einging,
den Schwerpunkt aber auf den Bereich Landwirtschaft / Ernährung legte.
Die von den Gentechnikbefürwortern immer wieder versprochene Lösung
des Welternährungsproblems - das wurde im Verlauf des Vortrags deutlich
- kann die Gentechnik jedenfalls nicht erreichen. Die weltweiten Erntemengen
beispielsweise von Mais sind in den letzten Jahren trotz zunehmendem Einsatzes
von gentechnisch manipuliertem Saatgut nicht angestiegen, wohl aber die
Abhängigkeit der Landwirte von einigen wenigen multinationalen Konzernen.
Wenn man bedenkt, dass vielfach herbizidresistendes Saatgut vom gleichen
Hersteller angeboten wird wie das entsprechende Herbizid selbst", so Nanette
Kolb, könnte man fast meinen, das Herbizid sei zuerst dagewesen.
Um dieses weiter verkaufen zu können, hat man dann anschließend
die Gen-Resistenz erfunden."
Ein nach wie vor ungelöstes Problem stellt die Gefahr einer unkontrollierten
Ausbreitung gentechnisch veränderten Saatguts dar. Während Mais
in unseren Klimazonen den Winter nicht überlebt und somit diesbezüglich
unproblematisch ist, kann Raps bis zu 15 Jahre im Boden überleben,
nachwachsen und sich in den Wildraps einkreuzen. So entsteht eine schleichende
gentechnische Kontamination, die nie mehr rückgängig gemacht
werden kann.
Aber nicht nur die Natur kann durch den Einsatz der Gentechnik in der
Landwirtschaft schwere Schäden erleiden, auch die Menschen selbst:
Gentechnisch manipulierte Pflanzen sind antibiotika-resistent. Wie Menschen,
die diese als Nahrung direkt oder indirekt zu sich nehmen, darauf reagieren,
ob sie unter Umständen selbst resistent werden können, ist noch
nicht zweifelsfrei geklärt und stellt ein unkalkulierbares Risiko
dar.
Die genannten Risiken und weitere offene Fragen rechtfertigen die Bedenken
der Verbraucher und sollten vor allzu großer Sorglosigkeit beim
Einsatz dieser umstrittenen und überflüssigen Technik abhalten.
Enttäuscht zeigte sich die Referrentin am Schluss über die neue,
im März in Kraft getretene EU-Verordnung über genetisch veränderte
Lebensmittel und Futtermittel, die nach ihrer Auffassung den Verbrauchern
nur geringen Schutz bietet, aber auch die Landwirte, die gentechnisch
verändertes Saatgut einsetzen, bezüglich Haftungsfragen im Regen
stehen lässt. In dieser unbefriedigenden Rechtslage sieht sie aber
auch eine Chance: dass sich nämlich Verbraucher und Landwirte gemeinsam
für gentechnikfreie Zonen einsetzen, wie dies bereits vielerorts
geschehen ist. Die ödp fordert solche gentechnikfreie Zonen für
jeden Ort, jeden Kreis bis hinauf zu den Ländern und europaweit.