+++ Pressebericht vom 30. Juli 2002 +++
Sind einfache Bürger besser informiert als Politiker?
Sind unsere Politiker nicht besser informiert - oder nehmen sie bewusst Gesundheitsgefährdung der Bürger in Kauf?
Sind einfache Bürger
besser informiert als Politiker? Wenn immer noch neue Mobilfunksender
in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten genehmigt bzw bestehende Anlagen
erweitert werden, läßt dies nach Auffassung der Ökologisch-Demokratischen
Partei (ödp) keinen anderen Schluss zu - es sei denn, man unterstelle
den Politikern die bewusste Gefährdung der Bevölkerung. Schließlich
belegten zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zweifelsfrei die
Gesundheitsrisiken durch Mobilfunksender.
Die ödp reagierte damit auf ihrem letzten Treffen auf den jüngsten
Beschluss des Eriskircher Gemeinderats, gegen heftigen Widerstand aus
der Bevölkerung die Erweiterung der Mobilfunkanlage auf dem Wasserturm
im Ortsteil Schlatt zu genehmigen. Bürgermeister Markus Spieth habe
diese Entscheidung laut Presseberichten unter anderem damit begründet,
dass es "keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Schädlichkeit
von Mobilfunkstrahlung gebe, solange die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten
werden", eine Behauptung, die gerade auch im Hinblick auf die im Vergleich
zu anderen Ländern extrem hohen deutschen Grenzwerte auf deutliche
Informationsdefizite hinweise. "Uns liegen andere Informationen vor",
so die ödp-Kreisvorsitzende und Bundestagsdirektkandidatin Sylvia
Hiß, und verwies unter anderem auf verschiedene Fernsehsendungen
zu diesem Thema sowie einen Vortrag des Mathematikers und Physikers Prof.
Dr. Buchner von der Technischen Universität München, den dieser
wenige Tage zuvor auf Einladung des ödp-Kreisverbandes in Friedrichhafen
vor zahlreichen Besuchern gehalten hatte. Er hatte darin unter anderem
von verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen berichtet, die unabhängig
voneinander den schädlichen Einfluss von Mobilfunkstrahlen etwa auf
Blutbild und Erbmaterial sowie durch die Strahlung verursachte Gehrinschäden
oder Schlaflosigkeit nachgewiesen hatten. Die Sorgen der Anwohner um ihre
Gesundheit hält die ödp also für durchaus berechtigt. "Schade
nur", so Sylvia Hiß weiter, "dass unsere Politiker, speziell
der Eriskircher Bürgermeister und Gemeinderat, diese Gelegenheit,
sich noch kurz vor der entscheidenden Sitzung des Gemeinderats durch einen
unabhängigen Experten über dieses wichtige Thema zu informieren,
nicht genutzt haben." Sonst wären sie sicherlich zu einer ähnlichen
Einschätzung gekommen wie der Überlinger Oberbürgermeister
Volkmar Weber, der keine Berührungsängste mit kritischen Bürgern
gezeigt hat und nach dem Besuch einer Informationsveranstaltung mit dem
Vorsitzenden der bundesweiten Dachorganisation "Bürgerwelle"
bekannte: "Mich haben die Ausführungen sehr nachdenklich gemacht".
Angesichts der Bedeutung dieser Problematik will sich die ödp, allen
voran die Häfler Gemeinderätin Christine Stuckenbrock, mit Nachdruck
dafür einsetzen, dass die bereits einmal verschobene öffentliche
Sitzung des Friedrichshafener Gemeinderats zu diesem Thema möglichst
bald nach der Sommerpause erneut auf die Tagesordnung gesetzt wird. Zu
einem Thema, "das der Bevölkerung auf den Nägeln brennt
wie kein anderes", so Christine Stuckenbrock weiter, "sollte der
Häfler Gemeinderat endlich Farbe bekennen und der Bevölkerung
gegenüber signalisieren, wohin die Entwicklung in diesem Bereich
in Friedrichshafen geht".