+++ Pressebericht vom 7. Februar 2001 +++
ödp stellt "Regionalstrom"-Projekt vor
Ziel: Aufbau einer regionalen umweltverträglichen Stromproduktion zu günstigen Preisen.
Beim Thema "alternative Energie" denken die meisten Leute zuerst an Sonne und Wind - und damit an windreiche Gegenden an der norddeutschen Küste oder sonnenreiche Länder im Süden. Eine bisher weitgehend unbekannte und auch von der Politik noch vernachlässigte Variante - Strom aus Biomasse, speziell aus Biogas - stellte der Diplom-Physiker Ralf Nickel, unabhängiger Energieberater aus Ravensburg auf einer Informationsveranstaltung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) vor circa 25 interessierten Zuhörern im Häfler Schloßgarten vor.
Unser heutiges Energiesystem nuß dringend durch ein anderes ersetzt
werden, darin waren sich die stellvertretende ödp-Kreisvorsitzende
und Landtagskandidatin Annedore Schmid und Ralf Nickel einig. Das erfordert
schon allein die begrenzte Reichweite der heutigen Energieträger:
so reichen die bekannten Erdölvorräte bei gleichbleibendem Verbrauch
nur noch etwa 30 Jahre, Uran etwa doppelt so lange. Zu diesem Ergebnis
kommen mehrere unabhängig voneinander durchgeführte Untersuchungen.
Die Bölkow-Stiftung sagt bereits für dieses Jahrzehnt den Punkt
voraus, wo die weltweite Energieerzeugung den Verbrauch nicht mehr decken
kann, wenn keine einschneidenden Schritte unternommen werden. Dazu kommt
das bekannte Klimaproblem infolge des Treibhauseffektes.
Die notwendige Energiewende muß
auf drei Säulen aufsetzen: Energiesparen, rationellem Einsatz der
fossilen Energieträger und Ausbau der regenerativen Energiequellen.
Deren theoretisches Potential ist enorm, wie Annedore Schmid mit einem
Beispiel verdeutlichte: Allein während wir hier im Schloßgarten
sitzen, erhält die Erde von der Sonne so viel Energie, wie dir gesamte
Weltbevölkerung in fünf Jahren verbraucht."
Dabei ist es nicht einmal notwendig,
die benötigte Energie aus sonnen-, wind- oder wasserreichen Ländern
zu importieren. Im Gegenteil, dieser Import - etwa aus Österreich
- hilft uns bei der Lösung der globalen Energie- und Umweltprobleme
nicht weiter. Wir müssen vielmehr versuchen, hier in der Region eine
alternative Energieversorgung aufzubauen. Dies ist möglich, wenn
man ein Grundprinzip dezentralen Wirtschaftens beachtet: Es gibt kein
allgemeingültiges, für alle gleichermaßen nutzbares Rezept.
Es muß vielmehr für jede Region eine spezifische Lösung
gefunden werden, welche die charakteristischen Voraussetzungen jeder Region
mit einbezieht. Eine gerade für die Region Bodensee-Oberschwaben
sehr interessante Energiequelle ist Biogas. Theoretisch kann damit eine
Kuh den gesamten Strombedarf eines Menschen decken. In unserer an Viehbeständen
reichen Region könnte bei vollständiger Ausnutzung dieses Potentials
43 Prozent des in Privathaushalten verbrauchten Stroms gedeckt werden,
ein Wert, der in der Praxis natürlich nicht erreicht werden kann,
aber der nach Auffassung der ödp durchaus interessante Zukunftsperspektiven
aufzeigt, für Natur, Verbraucher und Landwirte gleichermaßen.
Diese umweltfreundliche Energiequelle
wollen der Solarenergie Förderverein Ravensburg und der BUND Ravensburg
mit ihrem Projekt Regionalstrom" fördern, einer von diesen beiden
gegründeten regionalen Strommarke. In Zusammenarbeit mit den Elektrizitätswerken
Schönau bieten sie nicht nur umweltfreundlich in Wasserkraftanlagen
und Blockheizhraftwerken erzeugten Strom an. Mit 2 Pfennig pro Kilowattstunde
unterstützen sie damit auch direkt den Ausbau weiterer Biogasanlagen
in der Region, und das ganze zu Preisen, die teilweise, abhängig
von den persönlichen Verbrauchsdaten, niedriger sind als diejenigen
konventioneller Anbieter. Damit bietet sich für die Bürger der
Region die nicht alltägliche Chance, mit einem Wechsel des Stromanbieters
Geld zu sparen und dabei gleichzeitig die Umwelt zu schützen - eine
Chance, die die Bürger nach Auffassung von Annedore Schmid nicht
ungenutzt verstreichen lassen sollten.