Kreisverband Bodenseekreis

Unsere Situation ist vergleichbar mit der des Besitzers eines Mietshauses mit 10 Wohnungen zu je 100 qm a 10 Euro Miete (=10.000 Euro Mieteinnahmen je Monat). Wenn die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt härter wird (wenn z.B. andere Vermieter ihre Wohnung für 5 Euro je qm anbieten), dann hat dieser die Wahl zwischen 2 Möglichkeiten, ärmer zu werden:
  1. Er lässt die Miete so hoch, wie sie ist. Dann dauert es nicht lange, bis der erste Mieter in eine billigere Wohnung auszieht - dann bleiben nur noch 9.000 Euro je Monat. Wenn der 2. Mieter auszieht, bleiben noch 8.000 Euro, usw. Wenn der Besitzer nicht bereit ist, die niedrigeren Mieteinnahmen zu akzeptieren, kann er die Miete erhöhen auf z.B. 12,50 Euro je qm und Monat, dann zahlen die verbliebenen 8 Mieter zusammen immer noch 10.000 Euro, also der Wohlstand bleibt hoch, aber das Tempo, in dem die verbliebenen Mieter ebenfalls ausziehen, wird dadurch noch verstärkt. In wenigen Jahren steht das Haus leer!
  2. Alternativ dazu kann der Vermieter die Mietpreise auf das Niveau der Konkurrenz senken. Dann fällt sein Lebensstandard zwar (im Beispiel von 10.000 Euro auf 5.000 Euro je Monat), kann aber auf relativ hohem Niveau stabilisiert werden.
Auf den Arbeitsmarkt übertragen: Angesichts neuer (billigerer) Konkurrenz aus Osteuropa auf dem Arbeitsmarkt haben wir die Wahl zwischen
  1. die Lohnkosten auf dem heutigen hohen Niveau halten mit der Konsequenz, dass immer mehr Arbeitsplätze „wegziehen“. Weniger Arbeitsplätze bedeuten analog weniger vermieteter Wohnungen geringere Einnahmen. Das können wir vorübergehend ausgleichen dadurch, dass wir die verbliebenen Arbeitskräfte verteuern (35-Stundenwoche mit vollem Lohnausgleich), aber das beschleunigt den „Wegzug“ nur, verstärkt also langfristig das Problem.
  2. Anpassen der Löhne nach unten.
In beiden Fällen gibt es natürlich noch eine dritte Lösung: den hohen Lebensstandard halten trotz niedriger Einnahmen - durch mehr Schulden!

Sinkende Löhne bedeuten nicht sinkenden Lebensstandard im gleichen Maß, denn sinkende Löhne werden zum Teil durch sinkende Preise ausgeglichen (wenn ein Bäckermeister seinen Gesellen und Verkaufspersonal niedrigere Löhne zahlt, die Ladenmiete aufgrund niedriger Bau- und Grundstückspreise geringer ist, ..., wird auch das Brot billiger sein).

Eine Senkung des Niveaus ist hinnehmbar, da ein großer Teil unserer Ausgaben notwendig ist, um gesellschaftliche Normen zu erfüllen (die bei sinkendem Standard auch fallen), und nicht individuelle Bedürfnisse.

Eine Senkung des Niveaus ist auch dann hinnehmbar, wenn es nicht für alle Einkommensstufen und Gesellschaftsschichten gleichermaßen fällt, wenn beispielsweise die unter (2) genannte, vom Lohn getrennte Verteilung der Kapitalerträge (auch für Kinder) eingeführt wird.

 

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